Dienstag, 8. März 2016

Einmal cliché Tourist in London sein

London - was für eine Stadt! Das Leben im kleinen verschlafenen Leicester ist ja schön und gut. Auch meine Besuche in York, Stratford, Nottingham, Oxford, Bath und Birmingham im letzten halben Jahr waren toll, aber London ist schon wirklich nochmal eine Nummer für sich. Alles ist einfach riesig und es gibt so viele uralte tolle Gebäude, große Plätze und weitläufige Parks. Ich kann euch an dieser Stelle schon einmal vorwarnen: Dieser Post ist voller cliché-Touristen Bilder, denn es war sowohl Andis als auch mein erstes Mal in London, deswegen mussten wir natürlich alle typischen Attraktionen anschauen gehen und haben Unmengen an Fotos geschossen.

Das Wochenende stand generell schon mal unter einem guten Stern, denn Andi hat diese Woche ein Wohnung in München gefunden. Direkt beim Nordbad in Schwabing. Nur drei Stationen von seiner Arbeit entfernt, zehn Minuten mit Bus oder Fahrrad für mich zur Uni, zehn Minuten zum Unisport im Olympiazentrum, zehn Minuten zur Münchner Freiheit und somit zur U6 nach Garching und fünfzehn Minuten mit dem Rad zum Marienplatz. Wenn ich im Juni wieder zurück bin, ist geplant, dass ich mit einziehe. Es gab also einiges zu feiern in London!

Andi flog also anstatt nach Birmingham, dieses Mal nach London Gatwick, ich fuhr mit dem Zug nach London und wir trafen uns mittags bei Elephant & Castle. Ich zahlte für die fünfzehn minütige Fahrt nur schlappe 4,90GBP. Zehn Minuten von der Station entfernt lag unser AirBnB Zimmer. Sehr anonyme Wohnung, kleine Küche und ein Mini-Bad für acht Gäste. Ich kann schon mal sagen, dass es morgens etwas länger dauerte bis das Bad frei wurde, aber es war ja nur für zwei Nächte. Wir stellten aber auch nur schnell unsere Koffer, da wir das gute Wetter unbedingt ausnutzen wollten. Also spazierten wir durch ein ziiiiiemlich schickes (wahrscheinlich auch unbezahlbares) Wohngebiet zur Tower Bridge und weiter zum Tower of London.

Wir waren sehr sehr sehr clever gewesen und ich kann diesen Tipp nur an jeden, der sich in London irgendwelche Sehenswürdigkeiten anschauen möchte weitergeben. Auf der Website Days out Guide gibt es Gutscheine, sodass man zwei Tickets zum Preis von einem bei ungefähr allen Sachen, die es in London zu sehen gibt (das ganze gibt es auch für mehrere andere Städte in Großbritannien). Da diese Aktion in Kooperation mit der National Rail ist, ist die Voraussetzung für die Nutzung dieser Gutscheine, dass man mit dem Zug nach London kommt (nicht U-Bahn und Oyster-Tickets zählen auch nicht!!!). Diese Zugtickets muss man jeweils mit vorzeigen. Von Gatwick aus ist das Zugticket aber beispielsweise genauso billig wie die Fahrt mit der Oystercard für die vergleichbare Strecke.
Und das ist mein zweiter Tipp. Holt euch am Flughafen oder bestellt euch vor dem Ausflug eine Visitor Oyster Card. Sie kostet nichts, man muss nur einen Deposit von 5GBP zahlen. Statt einer 12GBP Tageskarte zahlt man nämlich mit der Oystercard nicht mehr als 6,50GBP pro Tag. Nachdem man diesen Betrag erreicht hat, wird nicht weiter abgebucht, vorausgesetzt man fährt nur in Zone 1 und 2.

Wir freuten uns also wie kleine Kinder, als wir uns am Tower of London gleich mal 24 Pfund sparen konnten und dazu noch direkt eine Führung durch die Anlage mitnehmen konnten. Unser Guide war super lustig und erzählte uns alles wichtige über die Geschichte des Towers, gefüllt mit sehr vielen Witzen. Mit ihm kamen wir auch in die kleine Kapelle, die im 13. Jahrhundert gebaut wurde und noch immer in Betrieb ist. Zwei mal musste sie allerdings wieder aufgebaut werden, da sie teilweise durch Feuer beschädigt worden war. Danach ging es zu den Kronjuwelen und danach weiter in den eigentlichen Tower, in dem heute mehrere Ausstellungen sind. Nachdem wir noch etwas über die Mauern spaziert waren, gingen wir am Fluss entlang zur London Bridge und von dort aus schlenderten wir zum Abendessen zurück zur Wohnung.

Nur ein paar hundert Meter von der Wohnung entfernt war ein Street Market, wo wir noch etwas Obst und Gemüse für einen Salat kauften. Dazu gab es Maultaschen, die Andi aus München importiert hatte. Kaum hatten wir fertig gegessen mussten wir uns auch schon für den Abend fertig machen. Ich hatte zu Weihnachten von Mama und Papa Karten für ein Musical in London bekommen und wir hatten uns für Charlie and the Chocolate Factory entschieden. Ich fand es so unglaublich toll.

Es gab Unmengen an richtig aufwendigen Bühnenbildern. Die Kostüme waren total cool und die Schauspieler/Sänger wirklich beeindruckend. Vor allem die fünf Kinder. Sehr witzig war auch der dicke Junge, der im Musical aus Bayern stammte. Der übertriebene Akzent im Englischen und die Outfits haben auf jeden Fall für den ein oder anderen Lacher gesorgt. Zusammenfassend kann ich einen kleinen englischen Jungen zitieren, den ich nach der Vorstellung zu seinem Bruder habe sagen hören: 'It wasn't just awsome, it was brilliant!'




Am zweiten Tag waren wir früh auf den Beinen und von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends unterwegs. Zunächst einmal gab es traditionelles Englisch Breakfast für Andi. Ich kniff in der letzten Minute und bestellte mir einen Sandwich - ich mag ja eh schon nicht so gerne Bohnen, dann auch noch zum Frühstück? Nein, danke! Erste Station des Tages war Madame Tussauds: Wir hatten ziemlich viel Spaß beim posen mit den Stars. Die meisten Promis sahen auch wirklich sowas von echt aus, dass es etwas aufregend war auf einmal neben Morgan Freemen, Albert Einstein, Jennifer Lawrence, Colin Firth, Angela Merkel oder anderen Figuren zu stehen (Tom Cruise ist ja wirklich unglaublich klein!!!) Die ersten Figuren, die Madame Taussauds mit Hilfe von Totenmasken hergestellt hatte, die sie in der Französischen Revolution hatte machen müssen, waren auch noch sehr beeindruckend.

Albert Einstein die Welt erklären...
























Angie hallo sagen





Und hier noch mein absoluter Favorit des Tages...


Als nächstes ging es zur Baker Street, die direkt um die Ecke liegt. Wenn man schon da ist, sollte man ja auch mal bei Sherlock Holmes an die Tür klopfen und das haben wir dann auch gemacht (ich hatte euch ja vorgewarnt: cliché Touristenbilder).

Zur Mittagszeit liefen wir durch Soho und fanden mit Hilfe von Großmamas Stadtführer ein paar schöne Ecken und Chinatown, wo wir schnell eine Kleinigkeit zu Mittag aßen, bevor es über den Trafalgar Square weiter zum Buckingham Palace ging. Hier war mal wieder auffällig wie viel Platz sich in einer Metropole wie London für bestimmte Dinge genommen wurde. Den Palace fand ich persönlich nicht sonderlich beeindruckend. Es gibt in London weitaus schönere alte Gebäude, aber bei großen Events ist es sicher etwas ganz anderes direkt am Tor zu stehen, wenn William und Kate frisch verheiratet auf dem Balkon stehen dem Volk zuwinken.



Danach ging es weiter zu Big Ben, Westminster Abbey und den Houses of Parliament, in die ich wirklich unglaublich gerne reingegangen wäre. Wir hatten auch Gutscheine für die Westminster Abbey gehabt, aber leider schließt diese Samstags schon mittags für Besucher. Das gleiche gilt für St. Pauls Cathedral. Aber das war nicht schlimm, schließlich gab es auch noch London Eye.

Westminster Abbey






Da gingen wir dann auch hin und mussten nicht mal lange anstellen, da wir nur zu zweit waren und somit Gondeln mit Gruppen auffüllen konnten. Die Aussicht war wirklich unglaublich und wir versuchten alle Gebäude, die wir von oben sahen, zuzuordnen.

Am Nachmittag spazierten wir dann noch durch Covent Garden und kauften in einem kleinen Laden die ersten gemeinsamen Sachen für die Wohnung: eine Schlüsselschale und Salz- und Pfefferstreuer (in Eulenform hihihi).

 
Aussicht vom London Eye auf die Houses of Parliament


Zum Abendessen ging es in einen urgemütlichen Pub, wo Andi zum Abendessen ein paar unterschiedliche Biere ausprobieren konnte und wir auf unsere gemeinsame Wohnung anstoßen konnten. Zwar war es danach noch nicht spät, aber wir vom Tag so geschafft, dass wir beschlossen nach Hause zu fahren und dort super schnell einschliefen.





Am Sonntag fuhren wir zu St. Pauls Cathedral und konnten dort noch die zweite Hälfte der Frühmesse mitbekamen. Zwar konnten wir nicht in der Kathedrale rumlaufen und die Galerien besichtigen. Dafür mussten wir aber keinen Eintritt zahlen und konnten direkt unter der Kuppel sitzen und mit wunderschönen Chorgesängen untermalt, die Pracht, Große und Schönheit auf uns wirken lassen. Andi und ich waren uns sofort einig, dass dies die schönste Kirche ist, in der wir je waren!

Nach einem kleinen Kaffee liefen wir durch die City an der Bank of England, dem Exchange Office und dem ehemaligen Haus des Bürgermeisters vorbei zur Tower Bridge und besuchten dort die Tower Bridge Exibition. Wir konnten durch den Glasboden des Fußgängerübergangs runter auf die Brücke schauen, was ziemlich verrückt war, und am Ende noch die Maschinenräume sehen, wo erklärt wurde wie dir Brücke angehoben wird. Interessant fand ich auch die anderen Vorschläge, die eingereicht wurden, als man beschloss, dass durch die Überfüllung der London Bridge eine neue Brücke hermusste, die es aber ermöglicht, dass Schiffe immernoch in den Hafen kamen.


Auf dem Weg zurück zur Wohnung liefen wir noch über den East Street Market von dem ich am Anfang schon erzählt hatte und aßen bei einem Mini-Inder noch eine Kleinigkeit zu Mittag, bevor es zum Bahnhof ging, wo ich Andi verabschieden musste, sein Flug ging am frühen Abend zurück nach München. Ich musste dann noch weiter zu einem anderen Bahnhof und war nach zehn Minuten Zugfahrt schon weggedöst. Wir waren ja aber auch die ganze Zeit nur unterwegs gewesen und ich war immer noch etwas angeschlagen von meiner Mandelentzündung.

An dieser Stelle kann ich auch nochmal erwähnen wie toll Google Maps eigentlich ist. Wir sind hauptsächlich mit Bussen unterwegs gewesen. Erstens, weil es einfach wirklich meistens schneller war. Gerade auch weil man oft ewig viele Treppen laufen muss, bevor man überhaupt am Gleis ankommt. Zweitens, konnten wir so mehr von der Stadt sehen, als wenn wir 50m unter der Erde in der U-Bahn gesessen hätten. Die ganzen Busse sind aber natürlich auf keinem Plan eingezeichnet, daür gibt es auch viel zu viele. Deshalb haben wir immer erstmal bei Google Maps gecheckt, ob es vielleicht einen Bus gibt, der nur wenige Meter von uns entfernt abfahren würde, bevor wir ewig zur U-Bahn gelaufen sind. Also, wenn ihr aus dem Ausland nach London kommt unbedingt für den Aufenthalt einen Internettarif für's Ausland buchen (kostet oft nur 5€ pro Woche), da sich das wirklich total lohnt und man viel Zeit sparen kann.


Vor mir liegen jetzt noch zwei Wochen Uni, ich habe noch ein paar Essays zu schreiben und es gibt vor Ostern noch ganz viele Veranstaltungen, wo die beiden Unis aus Leicester in verschiedenen Sportarten gegeneinander antreten. Diesen Mittwoch haben wir alle Karten für das Rugby-Duell, dass sogar in dem richtigen Stadion der Rugby Tigers stattfindet - ich bin gespannt!

Für Ostern haben Andi und ich jetzt einen Camper gemietet mit dem wir eine Woche lang durch Schottland fahren werden, da dort Wild Camping erlaubt ist. Ich hoffe es wird bis dahin noch etwas wärmer, freue mich aber schon riesig auf die tollen Landschaften und die Küste. Danach kommt mich Mama für eine knappe Woche besuchen und wir wollen in den Süden Englands fahren oder vielleicht auch nur bis Wales, falls uns Cornwall doch zu weit wird.

Ihr könnt also gespannt auf meine nächsten Blogposts sein, es wird sicherlich weiter tolle Fotos geben. Wenn jemand Tipps für Schottland für uns hat, kann er sich gerne bei mir melden!


Liebe Grüße aus England,
eure Franziska